Das Ende des Krypto-Schürfens: Grafikkarten sind wieder billiger Bild: Thinkstock

Das Ende des Krypto-Schürfens: Grafikkarten sind wieder billiger

Das Schürfen von Krypto-Währungen wird zu kostenintensiv, die Gewinne zu gering. Es freuen sich: Die Gamer und die Umwelt

Der Krypto-Rausch

Im Amerika des 19. Jahrhundert waren es die Goldsucher, heute auf der ganzen Welt die Krypto-Schürfer. Dem Rausch sind sie aber alle verfallen: Dem Rausch, das kapitalistische System auszutricksen und das schnelle Geld zu machen. Im Falle der verschiedenen Krypto-Währungen kann man entweder sein anderweitig verdientes Geld in die digitalen Währungen umtauschen oder man baut sich einen sogenannten Mining-Rig (also einen leistungsstarken Computer) und schürft einfach selber in den Weiten des Internets. Und weil bei letzterer Methode gar nicht so viel technisches Know-How gefragt ist, sondern eher leistungsstarke Computer-Komponenten, standen plötzlich überall, von der Studenten-WG bis zum Büro des CEO, die schürfenden Computer.

Rasanter Preissprung für Grafikkarten

Während sich so manch früher Krypto-Schürfer über beachtliche Profite freuen durfte, gab es bei dieser Entwicklung auch zwei ganz klare Verlierer: Einerseits die Umwelt, weil das Schürfen nach Krypto-Währungen, wie kürzlich wissenschaftlich nachgewiesen wurde, unglaublich viel Strom kostet. Der Energieverbrauch steigt JEDEN Monat um 20%, wodurch de facto alle Fortschritte, die aufgrund von erneuerbaren Energien gemacht wurden, wieder aufgefressen werden. Die zweiten Verlierer waren die Gamer. Die Grafikkarte, die wichtigste Hardware-Komponente zum Zocken der neuesten, detailreichsten Computer-Spiele, kann nämlich auch zum Bitcoin-Schürfen zweckentfremdet werden. Es kam zu einer Entwicklung, die bei technischen Produkten nur äußerst selten vorkommt: Grafikkarten waren plötzlich erheblich teurer als bei der Markteinführung. Zusätzlich hatten die Hersteller mit großen Lieferengpässen zu kämpfen, da sie mit der Produktion oft gar nicht mehr hinterherkamen. Diese Entwicklung ist glücklicherweise offenbar vorbei, denn im letzten Monat sind die Preise von Grafikkarten wieder nach unten gepurzelt, teilweise bis zu 30%. Dahinter steckt die Tatsache, dass immer mehr Computer-Leistung und Strom für immer weniger geschürfte Bitcoins benötigt werden. Für viele Schürfer geht diese Rechnung nicht mehr auf, das Unterfangen wurde unprofitabel.

Alles nur ein Hoax: Exklims kleinste Grafikkarte der Welt

Dazu noch eine kleine Anekdote: Vor einigen Wochen machte dann das angebliche kanadische Start-up Exklim von sich reden, das auf Kickstarter behauptete, die “kleinste und leistungsstärkste externe Grafikkarte der Welt“ entwickelt zu haben. In mehreren Grafiken und Videos erklärte das Start-up, wie man mithilfe der externen Grafikkarte aus einem stinknormalen Laptop eine potante Rechenmaschine machen könnte – einerseits zum mobilen Zocken, andererseits zum Schürfen von Krypto-Währungen. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurde das Funding-Ziel von 50.000 Kanadischen Dollar erreicht, ausgeliefert werden sollten die ersten Grafikkarten bereits im Juli 2018. Doch bereits von Beginn an äußerten sich diverse kritische Stimmen negativ über die technische Durchführbarkeit des Unterfangens: Das Start-up verwickelte sich daraufhin in widersprüchliche Aussagen und zeigte eklatantes Unwissen über die Funktionsweise des eigenen Produkts. Kurz darauf stellte sich heraus, es war alles nur ein Hoax, die versprochene externe Grafikkarte gibt es so gar nicht: 12 Stunden vor Ende hat Kickstarter die Kampagne bei einem Stand von fast 150,000 Dollar schließlich suspendiert.